Erstbesuch Trailground Brilon

Mein erster Besuch im Trailground Brilon ist mit einem kurzen wow und fantastisch zu betiteln. Die Meinungen und Eindrücke die ich im Vorfeld in persönlichen Gesprächen und diversen Onlinevideos sammeln konnte machten mich sehr neugierig. Von langweilig über aufregend bis episch ist die gesamte Spannweite an Emotionen dabei gewesen. Somit war es an der Zeit das ich mir ein eigenes Bild machte.

Der Start- und Ausgangspunkt des Trailground Brilon befindet sich am Parkplatz vor dem Landgasthof Gruß in der Nähe des Camping- und Ferienpark. Der Parkplatz auf der anderen Straßenseite ist für einen nicht zu stark befahrenen Tag ausreichend und es stehen große Schilder mit den Wegstrecken mit ebenso ausreichender Anzahl an Faltkarten zum mitnehmen bereit. Ich entschied mich die große 17km lange Drei Berge Tour mit 505 HM zu fahren.

Ein erstes großes Lob an die Planer und Erbauer des Trailground. Man hat sich viel Gedanken über die Beschilderung der Strecken gemacht und sie sehr gut und logisch geplant und aufgestellt. Bis auf eine Ausnahme. Dazu gleich mehr. Die drei Hauptstrecken sind grundsätzlich farblich gekennzeichnet, wobei man aber auch eine eigene Strecke sehr gut selber kombinieren kann.

Da ich die Drei Berge Strecke fahre halte ich mich also an die roten 3B Schilder.

Die Einfahrten in die abwechslungsreichen Trails sind nicht nur für uns Biker ausgeschildert, sondern auch mit einem wichtigen Hinweis an die Wanderer zum eigenen Schutz hier nicht durch zu gehen versehen. Dies hilft um Konflikte mit Wanderern auf den Trails zu vermeiden. Einzelne Singletrails, wie zum Beispiel „Achterbahn“ sind mit schönen Anlegern, kleinen Drops und sehr schönen welligen und festen Untergrund versehen. Somit kommt genügend Geschwindigkeit für rasante Abfahrten auf. Hier sollten sich Wanderer besser nicht aufhalten.

Auch sind die Singletrails als Einbahnstraßen konzipiert und entsprechend ausgeschildert damit niemand in die falsche Richtung einfährt. Man kann somit die teilweise rasanten Abfahrten in vollen Zügen geniessen ohne Angst vor Wanderern oder entgegenkommenden Bikern zu haben. Bevor es wieder auf die mit Wanderern gemeinschaftlich genutzten befestigten Wege geht wird man, wie gewohnt, mit Schildern darauf hingewiesen.

Die Sicherheit kommt hier nicht zu kurz und es gibt Schilder die einen Rettungspunkt mit den Koordinaten für den Notfall anzeigen um den Rettungskräften die Suche nach euch zu erleichtern wenn ihr mal Hilfe brauchen solltet.

 

Jetzt aber mal zur Fahrt und meinen Eindrücken. Erst bin ich am Parkplatz falsch eingefahren weil ich den falschen Schildern gefolgt bin. Die 3B Runde beginnt nämlich genau so wie auch der Gipfel Trail (GT) gegenüber auf der Seite des Landgasthof. Die Hauptstrasse überwunden fährt man erst einmal den Hängeberg Trail mit seinen vielen Wurzeln und Absätzen bergauf. Somit ist man erst einmal der Illusion beraubt das es nur bergab geht und auch die uphills mehr als nur gemütliche Kaffefahrten sind. Allerdings wird man direkt danach mit einem sehr schönen langen Flowtrail belohnt der in einem langen Schotterweg wieder endet. Die bereits erwähnte Beschilderung führt einen ohne Fragen auf den richtigen Weg und auf den nächsten Single Trail Uphill zum Gipfelanstieg. Hier kann man sich entscheiden den Weg kurz zu verlassen und auf die Aussichtplattform weiter zu rollen bevor es in den Bilstein Downhill geht. Der Abstecher lohnt sich.

Der Bilstein Downhill lässt erstmals erahnen was einen noch alles erwartet. Schöne Anlieger verleiten zu rasanten Abfahrten und ein kleiner Drop in unbekanntes Gebiet lässt das Adrenalin ein wenig steigen bevor es in die Achterbahn geht. Hier ein paar schneller aufeinanderfolgende Anlieger die auf einer Kreuzung zum Panorama Trail enden. Die offizielle Route der 3B Runde leitet einen nach rechts in einen längeren Schotterweg der über eine Hauptstrasse in Richtung Bogenparcours (wahrscheinlich nach dem dort ansässigen Bogenschützen Schießplatz benannt) führt. Vorbei an Feldern und einer kleinen Anhöhe vorbei am Bikertreff Kemper geht es direkt dahinter links in das Waldstück Um den Plattenberg hinein.

Verstecktes Schild der 3B Runde

Verstecktes Schild der 3B Runde

Die bis dahin sehr gelobte Beschilderung des Trailground hat mich hier das erste mal enttäuscht und ich raste in hohem Tempo an dem Schild vorbei hinunter ins Tal. Mein Navi konnte ich aufgrund der Geschwindigkeit erst fast im Tal angekommen betrachten und sah erschrocken das ich weit von der Strecke abgekommen war. Eine Vollbremsung später fand ich mich auf einem kräftezehrenden Aufstieg den Weg aus dem Tal wieder heraus.  Wieder auf dem richtigen Weg wird man mit einem schönen nicht allzu anspruchsvollen aber dennoch abwechslungsreichen Wurzelteppich durch das Waldgebiet Um den Plattenberg verwöhnt bevor es wieder in einen schnelle Singletrail Abfahrt geht. Ein saisonal bedingt sehr dicht zugewachsener Trail der auf den Namen Schwarzes Haupt hört, lässt die Durchblutung der Beine durch die sanft streichelnden Dornenpflanzen und Brennesseln steigen und man konzentriert sich auf eine schnelle Abfahrt. Den Weg am Bogenplatz wieder zurück geht es einen Anstieg in Richtung Panorama Trail mit wieder einmal sehr schönen Anliegern hinunter. Der Kyrill Uphill zeigt eindrucksvoll auf welcher Umweltkatastrophe der Trailground aufgebaut wurde und man sieht noch die Spuren des Sturm Kyrill von 2007.

Da ich den Anstieg zur Aussichtsplattform beim ersten mal nicht genommen habe, entschied ich mich den Gipfelanstieg Uphill noch einmal zu nehmen und den Gipfel mit seinen 618 HM zu erklimmen. Die Aussicht von dort oben ist enorm und eindrucksvoll. Einfach einmal in Ruhe ein paar Minuten von dort die Aussicht geniessen bevor es einen langen Waldweg hinunter geht durch den Bilstein Downhill vorbei an der Schöne Aussicht in Richtung Parkplatz zurück.

Insgesamt hatte ich ca. 22 Kilometer und ebenso ungefähre 585 Höhenmeter auf dem Tacho. Ehrlicherweise habe ich bis auf das eine Nicht sehr gut platzierte Schild nichts auszusetzen und es hat mir sehr viel Spaß gemacht auf dem Trailground Brilon.

Leistungsmäßig ist man nicht bis ans Ende ausgereizt und technisch ist für jeden etwas dabei. Als Hardtailer komme ich voll auf meine Kosten. Denn ich werde hier mangels Reserven in den Abfahrten technisch voll gefordert. Während die Fully Fraktion hier dem ganzen wahrscheinlich auch noch etwas Spaß abverlangt ohne wirklich gefährlich zu werden, werden die Enduristen hier wohl eher Mühe haben die Augen vor Müdigkeit offen zu halten. Mit einem Enduro ist man im nahe gelegenen Willingen (ca. 15 Minuten Autofahrt) und seinen Bikeparks besser aufgehoben.

Zusammenfassend kann man sagen:

„Für die Fullys ist es eine wilde Achterbahnfahrt in der es wild auf und ab geht, man aber nie wirklich in Gefahr ist. Für die Hardtailer ist es wie eine Fahrt in einem Taxi mit einem Känguru als Fahrer. Es holpert und man fährt schon einmal über den Bordstein aber es bringt dich immer ans Ziel.“

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall und ich werde noch öfters hier vorbei schauen.